Die Sache mit der Ironie

Und wieder einmal wird es, wie jede Woche, Zeit meinen Beitrag zum Webmasterfriday zu Verfassen – diesmal unter dem Thema "Ironie im Internet – nutzt Ihr sie im Netz oder nicht?". Mein erster Gedanke hierzu, war ein eindeutiges "Wow!", der zweite Gedanke war dann schon etwas nüchterner und hieß "Tolles Thema, aber was soll ich nur dazu schreiben?" Tatsächlich finde ich es wirklich nicht besonders einfach über dieses Thema zu schreiben. Nicht, weil ich mit Ironie nicht umgehen kann oder weil sie zu wider ist. Nein, ganz im gegenteil! Ich "bade" unglaublich gerne in Sarkasmus und ganz besonders gerne in Ironie.

Beides nicht ganz einfach zu händeln im gemeinsamen Miteinander, da man letztendlich sehr schnell Menschen mit beidem vor den Kopf stoßen kann – ob man nun möchte oder nicht sei hier einmal offen gelassen. Den angesprochenen Sarkasmus möchte ich gerne aus verschiedenen Gründen in diesem Blogpost ausklammern – nicht zu letzt, da es sicherlich den Rahmen sprengen würde und erst recht nicht Teil des gestellten Thematas ist. Back to Topic: Ironie ist ein tolles Sprachkonstrukt, ganz ehrlich, ich kann einfach nicht anders als sie zu lieben. Leider wird sie zu selten eingesetzt und viele Menschen können sie anscheinend auch nicht sinngemäß einsetzen. Sehr zu meinem Betrübnis. Vielleicht liegt es daran, dass viele einfach Angst haben missverstanden zu werden oder Menschen zu verletzen: wie oft kommt es denn nach einer ironischen Anspielung nicht vor, dass Mann oder Frau sich nach einer solchen rechtfertigen muss – manchmal artet so etwas sogar in einen Shitstorm aus. Nicht besonders amüsant und für keinen der beteiligten Personen erquicklich.
Nutzt man Ironie in einem Gespräch von Angesicht zu Angesicht (oder von mir aus auch gerne via Voice Nachricht) so ergeben sich oftmals weniger Fehlinterpretationen zu dem Gesagtem. Warum? Nutzen wir eine Nuancierung unserer Sprechstimme, setzen leicht verschiedene Akzente und Betonungen, die eine Sprache sehr lebendig werden lassen und eben auch die Identifizierung von Ironie vergleichsweise vereinfachen. Beim geschriebenen Wort sieht die Sache leider anders aus. Eine Akzentuierung durch das Klangbild unserer Stimme funktioniert nicht, denn wir setzen diese ja nicht ein im Text. Geschriebener Sprache verliert hier leider Dynamic und Ausdrucksfühigkeit – ein Zugeständnis an die Niederschrift? Schwer zu sagen, ob dies möchte.

Ich schreibe nun nicht seit gestern in den weiten des Internets (eigentlich schon seit Mitte der 90er, wenn ich mich recht entsinne und das tue ich idR bei solchen Sachen), so das sich bei mir eine gewisse Methodik – natürlich auch in Ausbildung meiner eigenen Sprache – für den Umgang mit Ironie etabliert hat, wenn ich Texte oder Statements verfasse. Oftmals hängt hier die Situation von dem kommunikativen Kontext ab. Unter einem kommunikativen Kontext meine ich die Situation mit wem und worüber ich etwas schreibe. So sind Kommentare oder Nachrichten im sehr engen freundschaftlichen Umfeld (nennen wir es einfach mal den freundschaftlichen Kontext, liegt ja auch schön nah) ohne Probleme möglich, in welche Ironie das ein oder andere Mal eingestreut wird. In diesem sehr engen und kleinen Kontext ist dies vergleichsweise einfach möglich, da ich hier von Menschen spreche, die mich real von Angesicht zu Angesicht kenne, in den meisten Fällen über Jahre hinweg. Diese Menschen kennen meine Marotten und Phrasen, aber auch meinen Sinn für Ironie und in welchen Situationen ich diese gerne einsetze. Es ist also möglich dieses Stilmittel zu verwenden, da man sich kennt. Man weiss, wie der andere tickt.
Auf meinem privaten (protected) twitter-Account oder auf Facebook kann man Ironie aus meinem Munde tropfen hören und sehen, aber auch hier sind viele Menschen, die sich dort unter meinen Followern bewegen Menschen, welche mich real kennen: mal mehr, mal weniger gut. Aber meist gut genug um Ironie erkennen zu können. Ganz anders sieht es hier bei Netzwerken wie Xing, LinkedIn, g+ oder twitter (mein öffentlicher Account), ADN oder auch in meinen Blogs aus. Hier muss ich damit rechnen, dass potentiell viele Menschen den Inhalt lesen, welchen ich so schön verzapfe. Die Rate der Missverständniss schnellt hier gut in die Höhe. Da ich durchweg ein eher bequemer bis fauler Mensch bin und ich keinen Bedarf verspüre mich über Ironie gegenüber Menschen, welche ich meist so gut wie gar nicht oder überhaupt nicht kenne, ist (leider) also ja – die Konsequenz, das Einsparen von Ironie: ich müsste mich ja sonst potenziell mit Menschen auseinander setzten, mit denen ich mich nicht auseinander setzen möchte.

Einen ganz anderen Punkt, welchen ich noch nicht angesprochen habe ist der folgende: das Netz vergisst in der Regel vergleichsweise selten und wird idR auch gut archiviert und sei es nur dank archive.org. Stellen wir uns hier das folgende Szenario vor: ich schreibe etwas mit Ironie, in dem Gesammtzusammenhang relativiert sich die Äußerung. Nun wird allerdings irgendwann der meiste Content archiviert. Ich bewerbe mich auf eine neue Stelle und mein neuer Arbeitgeber in Spe kommt auf die gloreiche Idee mich durch diverse Suchmaschinen suchen zu lassen. Der Kontext in dem etwas gesagt wurde, wird hier eigentlich augenblick zerissen und die Aussage bleibt isoliert stehen. Diese isolierte Aussage könnte nun das Zünglein an der Waage sein, ob ich die begehrte Stelle erhalte oder nicht. Wäre schade, wenn ich wegen so etwas die Stelle nicht erhalten würde.

Schaue ich auf die so eben geschrieben Zeilen, so stelle ich fest, dass ich doch eine ganze Menge zusammen geschrieben habe, sicherlich viel mehr, als ich beabsichtigt oder geplant habe. Das Thema, zur Wahl der richtigen Sprache ist ein immerwährender Diskurs und sicherlich on Bezug auf das Netzt noch einmal von ganz anderen Punkten geprägt als unsere Sprache im Alltag. Ich möchte keine allgemeingültige Aussage treffen, ob man denn nun Ironie verwenden sollte oder nicht. Ich denke letztendlich bestimmt der jeweilige Kontext und die jeweilige Lesergruppe, ob Ironie angebracht ist, ob die Ironie überhaupt als solche erkannt werden kann oder nicht. Eine entsprechende Wahl ist allerdings auch nicht per se zu entscheiden, sondern bedarf einer entsprechenden Überlegung.

Der Rundumblick [Update 2013-06-14, 11:20 UTC+2]

So, nachdem die ersten Beiträge veröffentlicht sind, möchte ich ganz gerne die Chance ergreifen und einen kleinen Rundumblick zu vage, was denn andere Blogger zu diesem Thema geschrieben haben:

  • breakpt – Anne Nühm, scheint hier ähne "Probleme" zu haben, wie meiner einer, wenn es um die (exzessive) Verwendung des Konstrukts der Ironie geht. Sie hat sich dafür entschieden Ironie trotz allem in Ihrem Blog zu ein zu setzen und hofft dabei, dass der geneigte Leser in der Lage ist Ironie zu erkennen und mit ihr adäquat zu verfahren. Einen ganz Lustigen Vorschlag hat sie noch in den Raum geworfen, dass doch ein "Ironiedetektor" ganz angenehm wäre.
  • Henning Uhle – ebenfalls sehr kritische Auseinandersetzung mit der Thematik Ironie im Internet. Henning zieht für sich das Résumé, das Ironie potentiell erstmal ein tolles Stilmittel ist, in Internet, wo meist allerdings nur das geschrieben Wort anzutreffen ist, das ganze ein klein wenig problematisch ist.
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