Ein T-Shirt und seine Folgen

Ich habe jetzt eine ganze Weile darüber nachgedacht, ob ich den folgenden Artikel verfassen sollte und wenn ja, ob ich überhaupt hier eine Diskussion suchen möchte. – Schon alleine deshalb, weil mir bereits mehr als einmal vorgeworfen wurde ich sein ein Chauvenist. (Um es gleich vorweg zu nehmen, das bin ich natürlich nicht, auch wenn ich zugestehe, dass ich manchmal chauvinistische Züge besitze und die auch gerne auslebe, wenn der Kontext passt. Die Problematik hier ist allerdings, dass außenstehende Menschen die mich und meinen Charakter nicht gut genug kennen – das sind sehr, sehr viele Menschen in meiner Umgebung – nicht erkennen können, das es

  • nicht so ernst gemeint ist, wie es klingt
  • es in dem Personenkreis, in dem ich mich in dem Augenblick bewege vollkommen legitimiert ist von allen anwesenden Personen.

So, da wir dies nun geklärt haben, kann ich ja eigentlich zum wirklichen Thema kommen: Es dreht sich um den Auftritt der Punk Band Feine Sahne Fischfilet im AJZ Bielefeld am 20. September. So richtig nachgedacht hatte ich heute Morgen noch einmal durch einen Artikel auf taz.de vom gestrigen Tag, sowie nach (nochmaligen) konsumieren des äquivalenten Artikels in der mädchenmanschaf. Um was geht es: in kurz Form war es so, dass sich der Drummer von Feine Sahne Fischfilet sich während des Konzertes im AJZ Bielefeld seines T-Shirtes entledigte, woraufhin das Konzert kurz unterbrochen wurde und er aufgefordert wurde sein T-Shirt bitte wieder an zu ziehen, da dies nicht erwünscht sein im AJZ, da es als Demonstartion kategorisierter männlicher Privilegien angesehen wird.

Lass ich jetzt einfach mal so stehen. Es gibt Menschen, die sehen es so und es gibt Menschen die sehen es nicht so. Grundtenor der Aussage, die hinter dieser Betrachtung steht, ist die folgende: kategorisiert männlichen Menschen ist es gestattet mit freiem Oberkörper in der Öffentlichkeit zu verkehren. Bei kategorisiert weiblichen Menschen sieht dies anders aus: denn da zählt ein entblöster Oberkörper (jedenfalls so lange die Brustwarzen nicht bedeckt sind) als Ordnunsgswiedrigkeit. Es ist also auch für mich als kategorisiertes männliches Wesen in gewisser Weise nachvollziehbar, warum es für einige Frauen eine zur Schau Stellung von Privilegien ist, obwohl ich selbst diese Meinung nicht bezehungsweise nur bedingt teile.

Was mir bei der Betrachtung und Recherche dieser Situation aufgefallen ist, ist der folgende Umstand: es wird gerne gefordert, dass Mann seine Solidarität bitte bekunden soll (oder netter gesagt darf/kann) indem er nicht mehr sein T-Shirt auszieht, solange Mann die Privilegien besitzt das T-Shirt ausziehen zu können. Ob das jetzt an der Situation und dem Verständnis der Situation verändert vage ich einfach mal ganz ketzerich zu bezweifeln. (Bitte steinigt mich jetzt nicht dafür und lest bitte erstmal weiter, bevor Ihr euch aufregt.)

In meinen Augen ist genau dies der falsche Ansatz, wenn Gleichberechtigung verlangt wird. Ganz ehrlich, ein Unterlassen des Entblätterns hilft nicht, niemandem! Im Gegenteil ich sehe das eher als eine Farce und Ignoranz des eigetlichen Problems, denn genau an siesem Punkt tuen wir so, als ob es kein Problem gäbe. Wir schweigen es einfach tot.

Ein weitaus geeigneterer Weg wäre es in meinem Augen dann doch, wenn wir als Gesellschaft einerseits an der Situation arbeiten, in dem wir zum Beispiel den Tatbestand einer Ordungswiedrigkeit aus der Welt schaffen. (Und wer jetzt schreien möchte, dass ich das nur sage, weil ich ein Mann bin und mit einem anderme Körperteil denke hat jetzt Redeverbot.) Eigentlich sollte es doch relativ egal sein ob Frau oder Mann in der Öffenlichkeit oben ohne rumläuft, wir sollten doch eigentlich alle in der Lage sein einen Menschen als Menschen zu sehen: losgelöst vom Geschlecht.

Eigentlich lenken wir doch in der Diskussion über die Situation des Feine Sahen Fischfilet Konzertes von der eigentlichen Problematik ab und zwar beide Seiten: sowohl diejenigen, die sich darüber aufregen, dass der Drummer wieder sein Shirt anziehen sollte, als auch die Seite, welche anprangert, dass er als ein Akt der Solidarität dies nicht hätte machen sollen. Die entsprechende Diskussion zu dieser dedizuierten Situation ist einfach überflüssig und dient ach wirlich niemandem. Was mich jetzt allerdings noch interessieren würde (vielleicht habe ich es einfach nur übersehen) hat man der Band inm Vorfeld eigentlich kommuniziert, das ein Entblättern alles anderer als gewünscht ist?

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Veröffentlicht in Politik
3 comments on “Ein T-Shirt und seine Folgen
  1. pygospa sagt:

    Ich bin ehrlich gesagt, gerade ein wenig entsetzt darüber, dass ich das überhaupt gelesen hab. Plus den Artikel bei Mädchenmannschaft. Plus den verlinkten Artikel zu Hetenperformance (weil ich den Begriff auch noch nicht kannte).

    Das ist gerade kostbare Lebenszeit, die ich nicht mehr zurück bekomme, denn: WAS FÜR EIN BULLSHIT?!

    Ich bin sehr wohl für Gleichberechtigung und gegen Sexismus, und zwar auf allen Ebenen. Aber „eine Zurschaustellung sexistischer Privilegien“? Seriously? Was würde eigentlich passieren, wenn ich im Sommer Bauchfrei und im Mini-Rock herumlaufen würde? Ist es nicht eine sexistische Zurschaustellung von Privilegien, das Frauen im Sommer die luftigsten und flatterigsten Sachen tragen können, wärend Mann maximal eine kurze Hose tragen muss?

    Ich finde schon, und daher fordere ich: Burkas für ALLE (Männer und Frauen)! Und zwar zu jeder Jahreszeit!

    • g4s3 sagt:

      ^^ hehe nette Forderung mit den Burkas für beiderlei Geschlecht 😉 – ich würde dann doch aber eher hässliche kratzige Kartoffelsäcke bevorzugen.

      Och Du kannst doch Mini und Bauchfrei im Sommer tragen – erzähl mir dann aber bitte wie dein Arbeitgeber dies aufgenommen hat, das wüsste ich dann doch zu gerne. 😉 Wie schon gesagt, die Grundintension der Problematik kann ich irgendwie schon verstehen, auch wenn ich sie eben nicht teile. Ich muss Dir hier auch recht geben was Dresscode für Männer im beruf angeht, oftmals ist es sogar nicht mal möglich eine kurze Hose zu tragen, erst recht nicht, wenn man Kundenkontakt hat. Ich würde es mir manchmal auch wünschen, dass ich ohne Probleme mit eiem Männerrock im Sommer durch die Gegend rennen könnte – wäre auf jeden Fall angenehmer.

  2. […] Denkanstoß für diesen Artikel diente übrigens der Artikel von g4s3, der mit Ein T-Shirt und seine Folgen eine Diskussion anregen wollte. Zunächst war ich fast schon ein wenig verärgert, über die […]

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