Der steinige Weg zum schnelle Netz

Schon oft genug hieß es von der Deutschen Bundesregierung, das ein flächendeckender Breitbandausbau – auch in ländlichen Gebieten – erfolgen soll und ein integraler Faktor für den Wirtschaftsstandort Deutschland darstellen würde. Ehrlich gesagt kann ich diese Reden schon längst nicht mehr hören, einfach weil es warme Luft ist, aber auch weil bei der Ganzen Diskussion das Stichwort Netzneuralität vergessen wird. – Sind Breitbandausbau und Netzneutrslität  So eng miteinander verwoben, dass sie zusammen genannt werden müssen? Ich denke schon, denn gerne versuchen Provider eine hohe Bandbreite mit einer Verletzung der Netzneuralität zu erkaufen. (Ein schönes Beispiel liefert hier übrigens die Deutsche Telekom AG mit ihrem Angebot im Mobilfunksektor das “verbrauchte“ Datenvolumen durch Streaming von Medieninhalten eines großen Musikstreamingservices nicht zu berechnen bei Zahlung eines geringen monatlichen Entgeltes.)

Was aber ist eine hohe Bandbreitenverfügbarkeit? Bei mir fängt die Definition einer hohen Bandbreite an das globale Netz derzeit bei 50 MBit/s an, also VDSL über klassisches Twisted-Pair Kupfer aus dem Telefonbereich oder 4G/LTE im Mobilsektor. Möchte man als Privatperson eine Bandbreite jenseits der “magischen“ 100 MBit/s so ist ein gewisses technisches Know-how nötig und das Bonding mehrerer Anschlüsse, wenn möglich über verschieden Transportmedien. Die wenigsten Privatanwender werden allerdings über das nötige Fachwissen verfügen, noch derzeit ernsthaft diesen Datendurchsatz benötigen.
Rein technisch wären allerdings höhere Datendurchsätze auch mit der vorhanden Technik möglich, so bietet 4G/LTE rein nominell einen Datendurchsatz bis 200 MBit, Network over TV-Cable 1 GBit/s und Glassfibre nur eine Beschränkung durch die Ortsvermittlungsstelle und Dicke der Fieber / Anzahl der Teilnemer. Beschaut man sich diese Möglichkeiten und behält technische Optionen wie WiMax oder SkyDSL/Sattelite Link im Hinterkopf so schaut es an sich gar nicht so schlecht aus. Das Problem hier allerdings ist, das “hohe Bandbreiten“ ein sehr subjektiver Begriff sind – ich kann mich an Zeiten mit 28,8 MBit/s erinnerten, damals fanden wir bereits 56 KBit/s als bahnbrechend schnell. Aber nicht nur dies, wir erleben einen Wandel des Netzes, denn immer mehr Services werden über das Netz an die Endverbraucher ausgeliefert: sei es Medienstreaming und TV-Angebote (Video on Demand, Music on Demand, Radio, etc.), aber auch immer mehr Geräte im eigenen Haus werden smarter und und unser Telefon kommt schon seit einer ganzen Weile fast nur noch bis VoIP. In absehbarer Zukunft wird der Bedarf an schnellen und zuverlässigen Netzen steigen, auch für Services, die bisher gar nicht oder nur sehr vereinzelt eingesetzt werden. (Als Beispiel sei einmal Telemedizin oder Videotelefonie genannt.) Die Frage, welche sich hier nun stellt, ist ob denn für die Zukunft genügend Kapazitäten zur Verfügung stehen werden. Auch bei unseren Politikern ist diese Frage irgendwann angekommen: leider lässt sich die Frage einfach beantworten – Nein es sind nicht genügend Kapazitäten vorhanden. Selbst in städtischen und wirtschaftlichen Ballungsräumen sieht es hier eher mau aus; teils sicherlich auch, da wir nicht in einer Technokratie leben, welche uns den technischen Wandel und Ausbau diktieren würde.

Einer der Gründe, warum der geplante und beschlossene “Bandbreitenausbau“ bisher nicht besonders geklappt hat sind die Finanzen. Neue Glasfasern im Boden sind teurer, generell ist der Ausbau des Netzes gar nicht so preiswert. Als Beispiel lässt sich hier zeigen, warum in der Regel Haus und Wohnungsbesitzer (noch) keinen Fibre-Anschluss besitzen: so kostet ein FTTH-Anschluss durchschnittlich knapp € 1000 pro Anschluss in Ausbauungsgebieten. Etwas was sich viele Menschen nicht leichtesten können oder wollen. (Für FTTB also “Fibre to the Basement“ – Glasfaser bis in den Keller bei Mehrparteienhäusern liegen mir leider keine Preise vor, hat hier vielleicht jemand eine Ahnung und möchte die in den Kommentaren hinterlassen?) Alleine aufgrund dieser Preise wird es wohl in den meisten Gemeinden bis auf weiteres so bleiben, dass “die Letzte Meile“ weiterhin über Telefonkupfer kommen wird. Die Bundesregierung möchte hier übrigens, dass das Groß der finanziellen Mittel für den Netzausbau durch die Provider gestemmt werden soll und möchte sich hier weitestgehend heraus halten. Ein fataler Schritt in meinen Augen, denn nur so hätte die Politik auch echten Einfluss in netzrelevanten Diskussionen. Nur mit einer Beteiligung des Bundes, der Länder und Kommunen könnte so etwas wie Netzneutralität garantiert werden. – Provider lassen sich nicht gerne reinreden, welche Daten sie wie transportierten sollen. (Ich kann es ihnen auch nur schwer verübeln.)

Grundsätzlich ist Deutschland sicherlich nicht gänzlich auf dem falschen Weg und wenn man sich in Europa umschaut so bewegt sich Deutschland relativ mittig und durchschnittlich was den Bandbreitenausbau angeht, aber ob dies in Zukunft für den Forschungs- und Wirtschaftsstandort Deutschland genügen wird bezweifle ich. Bürgern bleibt hier nur die Möglichkeit Druck auf die Politik zu machen und/oder sich zu kleinen kommunalen ISPs zusammen zu schließen und die Entwicklung selbst voran zu treiben.

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Veröffentlicht in Politik

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